Hinweise zur Benutzung von GUSTAV Dieses Programm löst orthodoxe Schachaufgaben bis maximal 32 Züge. Allerdings wird nur der Schlüsselzug ausgegeben, in einigen Fällen noch zusätzlich der zweite. Zur Einschränkung des Suchbaumes werden zwei Kriterien benutzt, die jeder weiße Zug erfüllen muß: Er darf dem schwarzen König nicht mehr als eine bestimmte Anzahl Fluchtfelder geben und er muß in einer be- stimmten Anzahl von Zügen Matt drohen ( Drohtiefe ). Dabei gelten nur Zugfolgen als Drohung, bei denen Weiß ständig Schach gibt. GUSTAV sucht sich im Modus "automatische Parametereinstellung" selbst die passenden Parameter, um möglichst schnell die Lösung zu finden. Der Modus "Brute Force" dient zur vollständigen Analyse von Schachpro- blemen und ist nur für Aufgaben mit wenig Zügen zu empfehlen, da die Rechenzeit sonst astronomische Dimensionen annehmen kann. Man kann nun im Modus "automat. Parametereinstellung mit Grenzen" Ein- schränkungen vornehmen : Eine obere Grenze ist z.B. notwendig, um bei unlösbaren Problemen ein Totlaufen zu verhindern, weil GUSTAV in seiner Verzweiflung irgend- wann auf "Brute Force" schalten würde, um die Unlösbarkeit hundertpro- zentig nachweisen zu können. Eine untere Grenze ist sinnvoll, wenn man überflüssige Rechenarbeit verhindern will, weil z.B. die Lösung erst bei 2 Fluchtfeldern zu er- warten ist oder weil man auf die Einschränkung, nur Drohzüge zu be- trachten verzichten will. ( In diesem Fall muß Drohtiefe = 0 als un- tere Grenze eingegeben werden.) Der Modus "eigene Parameter" ist besonders zum Prüfen von Problemen geeignet. In den Modi "automatische Parameter" und "automatische Parameter mit Grenzen" werden die Parameter, bei denen die Lösung gefunden wurde, ausgegeben. Bei der Einstellung "alle Lösungen" hat man dadurch die Gewißheit, daß eventuell nicht gefundene Nebenlösungen mindestens einen weißen Zug enthalten, bei denen ein Parameter überschritten wird. Der Nutzer muß dann anhand des Stellungstyps der Aufgabe ent- scheiden, ob ein solcher Fall wahrscheinlich ist und gegebenenfalls im Modus "eigene Parameter" mit großzügiger gewählten Parametern die Rechnung wiederholen. Das Programm sucht Duale nicht von selbst. Man muß also die jeweilige Stellung eingeben und die Aufgabe noch einmal mit der Einstellung "alle Lösungen" rechnen. Dies macht man zweckmäßigerweise im Modus "eigene Parameter" mit den Parametern, bei denen auch die Lösung ge- funden wurde. Nun noch einige Tricks und Kniffe: GUSTAV arbeitet mit Hash-Tables. Deshalb sollte dem Programm der in MS-DOS maximal mögliche Speicherplatz ( ca. 600 kByte ) zur Verfügung gestellt werden. Weniger Speicher wirkt sich negativ auf die Geschwin- digkeit aus, beeinträchtigt aber sonst in keiner Weise die Funktions- weise von GUSTAV. Bei langzügigen Aufgaben ist es ratsam, die zu erwartende Rechenzeit abzuschätzen. Am besten möglich ist das im Modus "eigene Parameter". Man rechnet die Aufgabe erst mit weniger Zügen und "tastet" sich vor- sichtig nach oben. Anhand der Entwicklung der Rechenzeiten kann man dann eine Prognose wagen. Falls die Rechenzeit 24 Stunden übersteigt, wird wieder von vorn ge- zählt. Tage werden nicht angezeigt ! Will man eine Aufgabe von einer Problemdatei in eine andere transpor- tieren, so macht man sie zuerst mit < A > im Hauptmenü zur aktuellen Aufgabe. Danach lädt man mit < P > die neue Problemdatei. Nun schaut man die Aufgabe mit < V > an, um sie sogleich mit < ESC > < J > wieder in der neuen Problemdatei abzuspeichern. Was tun bei unlösbaren Aufgaben ? Der Beweis der Unlösbarkeit einer Aufgabe ist nicht einfach, weil man die Aufgabe im Prinzip mit Brute Force testen müßte. Wie man praktisch vorgeht, zeigt folgendes Beispiel ( Aufgabe Nr. 1 in prbl.gus ) : Die Autorlösung ( siehe FIDE-Album 80-82 Nr. 543 ) ist 1.Sb8 Kb4 2.Kd6 Ka5+ 3.Ke6 Kb4 4.Sc6+ Kc5 5.Se5 Kb4 6. c3+ dc 7.Kd6 Ka5+ 8.Kd7 Kb4 9.Sd3+ Ka5 10.Se3+ . Da der Rechner im automatischen Modus nicht zum Ende kommt, ist es er- forderlich, die Aufgabe näher zu betrachten. Man bemerkt, daß jeder weiße Zug der Autorlösung Schach gibt oder Matt droht und dem schwar- zen höchstens zwei Fluchtfelder gibt. Als nächstes verändert man im Hauptmenü mit < V > die Stellung so, daß der erste weiße Zug der Autorlösung bereits ausgeführt ist. Nun stellt man im Lösemenue den Modus "eigene Parameter" auf 2 Fluchtfelder / Drohtiefe 1 . Jetzt kann man die schwarze Widerlegung suchen, nämlich mit < E > < W > ( Zugzahl 11 ) . Der Rechner gibt nach ca. 2 Minuten den Wi- derlegungszug Kb4 aus. Dieser Zug stimmt mit der Autorlösung über- ein, d.h. der schwarze Zug, der die Aufgabe ( möglicherweise ) unlös- bar macht, kommt erst später. Als nächstes gibt man die Stellung nach dem 2. Zug von Weiß ein. Jetzt sucht man wie vorher die Widerlegung mit Zugzahl 10. Nach einer knappen Minute gibt der Rechner den Widerlegungszug Td1 aus. Dieser taucht in der Autorlösung überhaupt nicht auf. Es gibt nun zwei Möglichkeiten: 1. Die Fortsetzung nach 2... Td1 benötigt großzügigere Parameter. Man muß also diesen ( jetzt ) Neunzüger erneut rechnen. 2. Der Autor hat diesen Zug tatsächlich übersehen und die Aufgabe ist unlösbar. In diesem Fall muß man selbst entscheiden, mit welchen Parametern man die Aufgabe ( als Neunzüger ) rechnen will und even- tuell als "mit großer Wahrscheinlichkeit unlösbar" einstufen will. Bei der Eingabe von schwarzen Figuren kann die Tastatur für die Groß- buchstaben hochgestellt werden. Einige Tastaturen können dann nicht mehr richtig die Zahlen erkennen. Mit dem Zusatzprogramm TASTATUR.EXE kann man Gustav bequem an jede beliebige Tastatur anpassen. Dieses Programm generiert aus GUSTAV.EXE das modifizierte Programm GUSTAVM.EXE . Olaf Jenkner